Contest-Betrieb

Contesting

.........was ist ein Contest?

Es ist wie mit dem Angeln, Schmetterlings- oder Briefmarkensammeln.
Wer so ein Hobby sein eigen nennt wird von der der übrigen Welt meist nur belächelt.
Wenn ich zu Freunden auf der Arbeit sage: "Ich fahre am Wochenende zum Contest",
dann sehe ich in fragende Gesichter.....
Meist kommt dann "Was issn das?", "...kann man das essen?" oder ein langgezogenenes ohhhhhkaaaaaay
mit den dazugehörigen Gesichtsausdruck, der mir sagen will ".....der spinnt doch".
Oftmals ist dann die Pause viel zu kurz um alle "Klarheiten zu beseitigen". ;-)

 

In den Abgründen des www habe ich dann folgenden Text gefunden.......

 

.......ein Erklärungsversuch von Rick Tavan N6XI:

Der Amateurfunk ist die lizenzierte Nutzung von Funkkommunikation für den privaten Bedarf. Er hat seine

eigene spezielle Form des „Kräftemessens“. Man nennt es „Radio Contesting“ oder auch „Radio Sports“.

Zum erfolgreichen Contesting benötigt man spezielles Wissen im Aufbau von Funkstationen, verschiedene

Betriebstechniken, körperliche Ausdauer und natürlich auch Strategie. Obwohl hart erarbeitet und gegen

Tausende anderer Contester und Gelegenheitsteilnehmer verteidigt sind typische Preise Plaketten, Urkunden,

veröffentlichte Punktelisten und manchmal die sprichwörtliche Flasche Wein. Wir tun das mehr zur

persönlichen Befriedigung, den Reiz der Jagd und der Bewunderung unter Gleichgesinnten als für eine materielle

Belohnung.

Ein Sponsor, meist eine Organisation oder ein Verein, legt für einen Contest eine feste Zeitperiode von einigen

Stunden bis zu einem vollen 48h Wochenende fest. Innerhalb dieser Zeit versuchen Funkamateure aus

den unterschiedlichsten Ländern sich zu kontaktieren. Jeder Kontakt zählt einen oder mehrere Punkte, die

später mit der Zahl der kontaktierten Länder multipliziert werden. Die höchste Punktzahl in der jeweiligen

Kategorie gewinnt.

Jeder Contest definiert die „Multiplikatoren“ unterschiedlich. In Deutschland zählt oft der DOK als Multiplikator

oder auf UKW zählt jeder überbrückte Kilometer Entfernung einen Punkt. Bei internationalen

Contesten auf Kurzwelle ist normalerweise jedes erreichte Land ein eindeutiger Multiplikator. Dabei gibt

es sehr interessante Strategien, wann eine Station nach neuen Multiplikatoren suchen sollte und wann sie so

schnell wie möglich Kontakte abarbeiten soll.

Jeder Kontakt an sich ist relativ kurz. Die beteiligten Stationen tauschen lediglich ein paar vorgeschriebene

Informationen aus. Einige Conteste erlauben den mehrfachen Kontakt zwischen zwei Stationen unter

der Voraussetzung, dass jeder Kontakt auf einem jeweils anderen „Band“ stattfindet. Das macht auch Sinn,

da die verschiedenen dem Amateurfunk zur Verfügung stehenden „Bänder“ auch stark unterschiedliche

Ausbreitungscharakteristika haben. Der Normalbürger kennt das von seinem Radio? Auf UKW/FM hört er

meist nur lokale Sender, aber auf den Mittel- und Kurzwelle AM-Bändern kann er nachts Signale hören, die

mehrere Tausend Kilometer entfernt ausgesendet werden. Für einen Contester ist es nicht ungewöhnlich im

Verlauf eines Contest-Wochenendes mehrere Tausend Kontakte zu arbeiten. Es gibt nichts Schöneres als den

Nervenkitzel, eine anrufende Station nach der nächsten abzuarbeiten und dabei die „Rate“ der gearbeiteten

Stationen auf mehrere Hundert Stationen pro Stunde hochzuschrauben. Das ist das absolut Schönste, außer

zwischen den vielen, teilweise hunderten anrufender Stationen kommt auch noch ein seltener Multiplikator

durch das „Pile Up“.

Der Sponsor definiert normalerweise auch verschiedene Kategorien in einem Contest. Die sine qua non

Kategorie ist „Single Operator, All Band“ (SOAB), die oft auch noch in „High Power“ und „Low Power“

aufgeteilt wird. Diese Kategorien ziehen die meisten Teilnehmer an. Einige Funkamateure arbeiten von ihrer

eigenen Station zu Hause, andere arbeiten als Gast-OP (OP = Operator) an einer fremden, meist gut

ausgestatteten Station. Aber es gibt auch noch verschiedene andere Kategorien, wie z.B. „Multi Operator“

für Teams die gemeinsam antreten. Dabei teilen sich dann zwei oder mehr OPs die anfallenden Aufgaben.

In den ganz großen Contests, also denen mit den meisten Teilnehmern, gibt es sogar Kategorien für

einzelne Bänder. Manche Contest Ausschreibungen schreiben Sprech-Kontakte vor, andere Kontakte per

Morsecode, digitale Betriebsarten oder sogar einen Mix davon. Alle Teilnehmer kontaktieren sich während

der ausgeschriebenen Contest-Zeit, unabhängig von der Teilnehmer-Kategorie oder den entsprechend ausgeschriebenen

Preisen. Diese Kategorien sind vielleicht vergleichbar mit der Unterscheidung nach Alter,

Geschlecht und Entfernungskategorien bei einem Stadt-Marathon.

Meistens erfolgt weltweite Contest-Kommunikation in Englisch. Das ist allerdings kein größeres Problem,

da ein Standard-Vokabular von ca. 100 Wörtern für Contesting vollkommen ausreichend ist. Dadurch sind

fast alle Funkamateure weltweit in der Lage gegeneinander anzutreten ohne dass sie eine Sprachbarriere

daran hindert. Wird das gute alte Morsealphabet benutzt, fällt die Sprachbarriere komplett.

Die Kunst des Contesting besteht aus mehreren Faktoren. Zuerst ist die Betriebstechnik zu nennen. Sie müssen

Ihre Station bedienen können, müssen wissen, wann Sie rufen und um Anrufe betteln müssen und wann

es besser ist nach anderen zu suchen, die gerade um Anrufe betteln. Zusätzlich benötigen Sie eine gewisse

Kenntnis der Wellenausbreitung und der Ausbreitungsvorhersage. Sie benötigen „gute Ohren“ um mehrere

sich oft überlagernde Signale voneinander zu trennen, die oft zusätzlich noch mit Rauschen, Störgeräuschen

oder atmosphärischen Störungen behaftet sind. Sie benötigen Erfahrung mit der Dynamik eines jeden einzelnen

Contestes und eine sehr gute „Hand-Auge-Ohr-Koordination“, denn Sie müssen sich schnell über

verschiedene Frequenzen hinweg bewegen können, Kontakte in einem Log aufnehmen können, Morse Code

senden oder tippen oder klar, deutlich und trotzdem schnell sprechen können. Einige Conteste dauern bis

zu 48 Stunden und werden damit zum Ausdauersport. Die benötigten Geschwindigkeiten und Koordinationen

sind eine echte Herausforderung und über einen so langen Zeitraum mit kleinen oder ganz ohne Pausen

nicht leicht durchzuhalten. Viele ernsthafte Contester trainieren zwischen den Wettbewerben wie Sportler.

Muskelkraft ist mit Ausnahme beim Antennenbau nicht unbedingt notwendig, aber alle anderen Vorteile

von sportlichem Training wirken sich positiv aus.

Ähnlich anderer Wettbewerbsformen sind die angeeigneten Betriebstechniken nicht der einzige Erfolgsfaktor.

Sowohl die Ausrüstung als auch der Standort sind ebenfalls sehr wichtig. In einem Contest kann es

vorkommen, dass mehrere Teilnehmer eine bestimmte Station gleichzeitig anrufen. Obwohl das Timing sehr

wichtig ist, um als erster durchzukommen, hilft aber auch das lauteste Signal zu haben. Dafür benötigen Sie

ein gutes Funkgerät, die maximale nach Lizenz- und Contest-Regeln erlaubte Sendeleistung und neben al-

lem anderen gute und effiziente Antennen. Einzelne Antennentypen arbeiten an verschiedenen Einsatzorten

unterschiedlich gut. Wie sich jeder vorstellen kann ist der Standort tief unten in einem Tal sicher nicht der

Beste. Eine Station, die in der Lage ist einen Contest zu gewinnen ist normalerweise gut ausgestattet, gut

gewartet und bestückt mit den unterschiedlichsten Antennen für verschiedene Ausbreitungssituationen und

abgestimmt auf den Standort.

Moderne Contest-Stationen nutzen darüber hinaus umfangreich den Einsatz von Computern zur Automatisierung

gewisser Funktionen und zur Logführung. Nach dem Contest wird das Log an die ausschreibende

Organisation zur Auswertung übersandt. Bei der Auswertung wird überprüft ob sich Fehler eingeschlichen

haben und ob die angegebenen Kontakte wirklich gearbeitet wurden. Der nicht prüfbare Rest wird plausibilisiert.

Ein Computer hilft ebenfalls während dem Contest, dass man eine bereits gearbeitete Station nicht

doppelt arbeitet, er steuert das Funkgerät und er kann die notwendigen Informationen zusammenstellen

und auf Tastendruck versenden. Er kann sich ebenfalls in weltweite Spotting-Netzwerke einklinken, die die

Arbeitsfrequenz von anderen Contest-Teilnehmern anzeigen. Modernes Contesting ist also ein ultimatives,

räumlich verteiltes Computerspiel für mehrere Spieler. Aktuelle Entwicklungen werden es in naher Zukunft

ermöglichen, dass man die jeweiligen Punktzahlen von Teilnehmern bereits während dem Contest in Echtzeit

auf bestimmten Internetseiten sehen kann. Damit wird Contesting zu einem Zuschauersport, der aber

wohl vorerst nur für Funkamateure interessant ist.

Die meisten Teilnehmer eines Contests haben, vergleichbar den Läufern eines Stadtmarathons, keine Ambitionen

zu gewinnen. Sie arbeiten von meist einfachen Stationen an unspektakulären Standorten und oft nur

während einem Teil der Contestzeit. Genau diese Tausende von kleinen Stationen, die mitmachen, um nur

ein paar Stunden Praxis und Spaß zu haben, machen den Contest-Sport zu einem Erlebnis für die Hunderte

von Stationen, die rund um die Uhr teilnehmen und als Ziel nach persönlicher Bestleistung oder einem Sieg

in ihrem Land oder ihrer Kategorie streben.

Zum Schluß muss ich aber erwähnen, dass es auch eine dunkle Seite des Contest „Sports“ gibt. Es gibt leider

keine gleichen und identischen Wettbewerbsbedingungen für alle Teilnehmer. Aufgrund der physikalischen

Ausbreitung von Funksignalen können manche Standorte massive Vorteile gegenüber anderen haben.Wenn

jemand in der Lage ist 1000 QSOs (Verbindungen) aus Deutschland zu arbeiten, dann ist er vielleicht in

der Lage bei identischer Stationsausrüstung 4000 QSOs von einer karibischen Insel zu fahren. Diese Unterschiede

sind leider nicht durch „Regeln“ abzufangen. Aus diesem Grund würdigen die meisten Contest

Sponsoren die vorderen Plätze in verschiedenen geografischen Bereichen, wie Kontinenten, Ländern oder

künstlich dafür festgelegten Sektionen oder Zonen. Das hilft den Gladiatoren natürlich ihre Ergebnisse zu

vergleichen, z.B. mit Stationen in ähnlichen geografischen Verhältnissen, ohne zu vergessen, dass es jemanden

gibt, der auch die weltweite Wertung gewonnen hat. Dieses Vorgehen hält den Wettbewerb am Leben

und hat nicht zu Frustrationen und Demotivation bei denen geführt, die z.B. ihre Antenne nicht in der Nähe

von Salzwasser aufbauen können. Es gibt jedoch einige, die sich die Zeit der Conteste in jedem Jahr aussuchen,

um die exotischsten Gegenden der Erde zu besuchen, während andere mit dem gleichen Enthusiasmus

zu Hause Stationen und Antennen aufbauen. Eine Contest-“Expedition“ ist das Highlight für viele Contester.

Nach dem Bestreben die Wettbewerbsbedingungen zu vereinheitlichen und die Frage nach „dem besten

Contester der Welt“ zu beantworten, haben verschiedene Gruppen die „World Radio Team Championships“

ins Leben gerufen. Die WRTC ist ein Contest im Contest. Etwa 50 ausgewählte Zweierteams treffen sich in

einer austragenden Stadt, um von relativ identisch ausgestatteten Stationen am 24h dauernden IARU Radio

Sports Contest teilzunehmen. Die Stationen werden den Teams dabei per Los zugewiesen und alle haben

die gleichen Antennen und Sender an vergleichbaren Standorten. Dies führt zu vergleichbaren Ergebnissen

und die Gewinner diesesWettbewerbs haben höchstes Durchhaltevermögen und ihre absolute Spitzenklasse

bewiesen.

Contesting ist nichts für jeden Funkamateur; vielen ist es zu laut und zu nervig. Aber für diejenigen die es

lieben, ist Contesting die größte Herausforderung im Amateurfunk. Man kann sogar beobachten, dass die

guten Contester auch in anderen Bereichen ihres Lebens oder Berufes oft recht erfolgreich sind. Sollten Sie

als Funkamateur noch an keinem Contest teilgenommen haben, sollten Sie es unbedingt mal tun. Sollten Sie

noch keine Amateurfunk-Lizenz haben, denken Sie darüber nach eine zu erlangen; Sie werden die Herausforderung

und den Reiz des „Radio Sports“ lieben lernen.

(übersetzt von DK9VZ)